Dreiweg-Wette im DFB-Pokal: Was bei Verlängerung passiert
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90 Minuten sind 90 Minuten — auch im Pokal. Die Dreiweg-Wette ist der Standardmarkt bei Fußballwetten, und doch sorgt sie im DFB-Pokal regelmäßig für Verwirrung. Der Grund: Im Pokal gibt es kein Unentschieden als Endergebnis — wenn nach 90 Minuten Gleichstand herrscht, folgen Verlängerung und Elfmeterschießen. Aber die Dreiweg-Wette zählt nur die reguläre Spielzeit. Wer auf Unentschieden setzt und das Spiel nach 90 Minuten 1:1 steht, hat gewonnen — auch wenn Stuttgart anschließend in der Verlängerung das 2:1 erzielt.
Diese Unterscheidung klingt simpel, wird aber von erstaunlich vielen Wettenden missverstanden. Und Missverständnisse kosten Geld. Deshalb: eine klare Erklärung der Regeln, der Konsequenzen und der Alternativen.
Dreiweg-Wette: Gilt nur für die reguläre Spielzeit
Die Dreiweg-Wette bietet drei Ausgänge: Heimsieg (1), Unentschieden (X) und Auswärtssieg (2). Im DFB-Pokal bezieht sich jeder dieser Ausgänge ausschließlich auf das Ergebnis nach 90 Minuten regulärer Spielzeit plus Nachspielzeit. Was danach passiert — Verlängerung, Golden Goal, Elfmeterschießen — spielt für die Wettabrechnung keine Rolle.
Das hat eine wichtige Konsequenz: Im Pokal ist ein Unentschieden nach 90 Minuten nicht nur möglich, sondern ein realistischer Ausgang. Anders als in der Liga, wo ein Remis das Endergebnis ist, markiert es im Pokal nur den Übergang in die Verlängerung. Für die Dreiweg-Wette ist es aber ein vollwertiges Ergebnis — und eines, das bei Buchmachern mit eigenen Quoten versehen wird.
Die Quoten für Unentschieden im DFB-Pokal sind häufig höher als in der Liga, weil viele Wettende annehmen, dass ein Remis im Pokal nicht vorkommt. Dieses Missverständnis drückt das Wettvolumen auf X-Wetten im Pokal, was die Quoten nach oben treibt. Für informierte Wettende entsteht hier ein struktureller Vorteil: Wer weiß, dass die Dreiweg-Wette nur 90 Minuten zählt, findet auf der X-Quote regelmäßig Value.
Ein Praxisbeispiel: Das Halbfinale Stuttgart gegen Freiburg. Wenn ein Buchmacher die Quoten 1.85 / 3.50 / 4.20 anbietet, impliziert die X-Quote eine Wahrscheinlichkeit von etwa 29 Prozent für ein Unentschieden nach 90 Minuten. In einem Pokalhalbfinale zwischen zwei taktisch disziplinierten Teams ist diese Wahrscheinlichkeit realistisch — möglicherweise sogar zu niedrig angesetzt.
Wichtig ist auch die Abgrenzung zum Ligaalltag: In der Bundesliga endet ein Unentschieden das Spiel. Im Pokal endet es nur die Dreiweg-Wette. Das klingt nach einem kleinen Unterschied, hat aber tiefgreifende Konsequenzen für die Wettstrategie. Wer in der Liga auf X setzt, setzt auf ein Endergebnis. Wer im Pokal auf X setzt, setzt auf eine Zwischenstation — das Spiel geht danach weiter, aber die Wette ist bereits entschieden. Diese Entkopplung von Wettergebnis und Spielergebnis ist die zentrale Besonderheit der Dreiweg-Wette im Pokalformat.
Für die Nachspielzeit gilt: Sie zählt zur regulären Spielzeit. Ein Tor in der 93. Minute ist für die Dreiweg-Wette genauso relevant wie ein Tor in der 5. Minute. Nur die Verlängerung ab der 91. Minute — also die zwei zusätzlichen Hälften à 15 Minuten — fällt aus der Dreiweg-Abrechnung heraus.
Verlängerung und Elfmeterschießen: Welche Wettmärkte dann greifen
Wenn die Dreiweg-Wette nach 90 Minuten abgerechnet ist, beginnt für den Pokal ein neues Kapitel: 30 Minuten Verlängerung, aufgeteilt in zwei Hälften à 15 Minuten. Fällt auch hier keine Entscheidung, folgt das Elfmeterschießen. Für Wettende stellt sich die Frage: Welche Wettmärkte gelten in dieser Phase?
Der wichtigste Markt für den Gesamtausgang eines Pokalspiels ist die Weiterkommen-Wette, die im nächsten Abschnitt ausführlich behandelt wird. Darüber hinaus bieten viele Buchmacher Spezialwetten für die Verlängerung an: Wer erzielt das nächste Tor, wie viele Tore fallen in der Extra Time, wird es ein Elfmeterschießen geben? Diese Märkte werden live freigeschaltet, sobald feststeht, dass das Spiel in die Verlängerung geht.
Der DFB-Pokal hat eine beeindruckende Elfmeter-Geschichte. Der absolute Rekord liegt bei 13:12 zwischen dem SV Sandhausen und dem VfB Stuttgart aus der Saison 1995/96 — 26 Elfmeter wurden geschossen, bevor ein Sieger feststand. In der laufenden Saison 2025/26 setzte der FV Illertissen sich im Elfmeterschießen mit 6:5 gegen den 1. FC Nürnberg durch — nach 120 Minuten und einem regulären 2:2.
Für Wettende, die auf das Elfmeterschießen spekulieren, existiert der Markt Elfmeterschießen Ja/Nein, der mit Quoten von typischerweise 4.00 bis 6.00 für Ja angeboten wird. Die Implied Probability liegt bei 17 bis 25 Prozent — eine realistische Einschätzung, da statistisch etwa jedes fünfte bis sechste Pokalspiel im Elfmeterschießen entschieden wird. In den frühen Runden ist die Quote für ein Elfmeterschießen niedriger, weil das Leistungsgefälle häufiger zu einem klaren Sieger nach 90 Minuten führt. In den Halbfinals und im Finale steigt die Wahrscheinlichkeit eines Elfmeterschießens an.
Weiterkommen-Wette vs. Dreiweg: Der entscheidende Unterschied
Die Weiterkommen-Wette ist das Gegenstück zur Dreiweg-Wette im Pokal. Statt auf das Ergebnis nach 90 Minuten zu setzen, wettet der Spieler darauf, welches Team das Pokalspiel insgesamt gewinnt — inklusive Verlängerung und Elfmeterschießen. Es gibt nur zwei Ausgänge: Team A kommt weiter oder Team B kommt weiter. Ein Unentschieden existiert nicht.
Die Quoten der Weiterkommen-Wette sind deshalb enger als die des Dreiwegs. Ein Favorit, der auf dem Dreiweg bei 1.85 steht, könnte auf dem Weiterkommen-Markt bei 1.55 bis 1.65 notieren — weil die Verlängerung als zusätzliche Chance eingepreist wird. Für den Außenseiter gilt das Spiegelbildliche: Seine Weiterkommen-Quote ist niedriger als seine Dreiweg-Quote, weil auch er von der Extra Time profitieren kann.
Rouven Stoehr, COO von Bet3000, verwies darauf, dass eine Neuregulierung wie der GlüStV 2021 nicht alle potenziellen Szenarien von Anfang an abdecken könne, vor allem bei hochkomplexen technischen Systemen. Diese Komplexität zeigt sich auch im Wettmarkt: Die Koexistenz von Dreiweg- und Weiterkommen-Wette im Pokal schafft ein System, in dem die Regeln jeder Wettart präzise verstanden werden müssen. Wer die falsche Wettart wählt, setzt auf ein Ergebnis, das er gar nicht meint.
Die Entscheidung zwischen Dreiweg und Weiterkommen hängt von der Wettabsicht ab. Wer eine Meinung über den Spielverlauf hat — etwa dass Freiburg die ersten 90 Minuten übersteht — wählt den Dreiweg und setzt auf X oder 2. Wer eine Meinung über den Gesamtausgang hat — etwa dass Stuttgart am Ende weiterkommt, egal wie — wählt die Weiterkommen-Wette. Beide Märkte haben ihre Berechtigung. Aber sie sind nicht austauschbar.
Ein häufiger Fehler: Wettende platzieren eine Dreiweg-Wette auf den Favoriten und beschweren sich anschließend, dass die Wette als verloren gewertet wird, obwohl der Favorit das Spiel in der Verlängerung gewonnen hat. Dieses Missverständnis kostet jede Pokalsaison tausenden von Wettenden Geld — und es ließe sich durch die Wahl des richtigen Marktes vermeiden. Wer will, dass sein Tipp auch bei einer Entscheidung nach 120 Minuten oder im Elfmeterschießen zählt, muss die Weiterkommen-Wette wählen. 90 Minuten sind 90 Minuten — was danach kommt, ist ein anderer Markt.
Hinweis: Sportwetten sind ein Glücksspiel und können süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst und setzen Sie nur Geld ein, dessen Verlust Sie verkraften können. Das Mindestalter beträgt 18 Jahre. Hilfe erhalten Sie bei der BZgA unter 0800 1 37 27 00 sowie unter check-dein-spiel.de. Alle genannten Wettanbieter verfügen über eine gültige GGL-Lizenz. Glücksspiel kann süchtig machen.